
Killcoins
Killcoins sind die härteste Währung der Wasteland. Sie sind knapp, brutal akzeptiert und funktionieren als Ersatz für Vertrauen in einer Welt, die keins mehr kennt. Ein einzelner Coin hat den Gegenwert eines Menschenlebens (grob: der alte Bitcoin-Wert) und ist so selten, dass man monatelang jagt, spürt und tötet, um einen zu bekommen.
Ihr Ursprung ist nicht frei geprägt, sondern gefunden: Jeder echte Geocache birgt genau einen Killcoin. Wer den Cache hebt, holt damit nicht nur eine Münze, sondern eine Schuld- und Machtkette aus dem Boden.
Fakten
- Herkunft: Ursprünglich aus Geocaches (Legacy-Coins) oder frisch "geminted" durch die Zeros bei Geburten (New-Gen).
- Kontrolle: Die Zeros besitzen das Monopol auf die Validierung und Ausgabe.
- Verwendung: Bezahlung für Aufträge, Schutz, Versorgung, Sendezeit und Informationen.
- Kreislauf: Zeros (Minting) → Eltern (Startkapital) → Handel/Mord → Zeros (Validierung/Buyback).
Formen & Merkmale
Killcoins sind auffällig anders als alles im Wasteland. Man erkennt sie sofort im Müll, im Staub, im Gedränge.
- Farbe/Glanz: Kaltes, fast weisses Metall mit irisierendem Schimmer. Nichts in der Wasteland leuchtet so kontrolliert.
- Form: Perfekt rund, präzise geschnitten, scharf und sauber. Kein Rost, keine Ausbrüche, keine Kantenfräsung von Hand.
- Zentrumsmarke: Ein dunkler, leicht erhabener Kern.
- Textur: Fein gedrehte, radiale Drehspuren wie auf einer polierten Scheibe, die im Licht einen regenbogenartigen Ring erzeugen.
- Gewicht: Unlogisch schwer für die Grösse. Das macht sie im Griff unverwechselbar.
- Lebenssymbol: Auf dem dunklen Kern sitzt ein klar erhabener Totenkopf. Aus der Ferne wie ein Schatten, aus der Nähe ein Versprechen.
- Goldene Applikation: Ein dünnes, eingelassenes Goldband am Rand, das im Staub blitzt. Nicht Prunk, sondern Signal: Wer eine Killcoin sieht, sieht den Tod.
- Kante: Feine Riffelung am Rand, präzise und gleichmässig.
- Echtheit: Echte Killcoins haben einen unverwechselbaren, langen Nachhall wie eine Stimmgabel: ein klarer, hoher Ton, der ungewöhnlich lange stehen bleibt. Ausserdem reagieren sie, wenn man sie an ein Funkgerät hält: Im Empfänger entsteht ein kurzes, klares Knacken, als ob die Frequenz „durchschneidet“. Fälschungen sehen ähnlich aus, klingen aber dumpf und verlieren den langen Ton schnell.
Gerücht: Wer zu lange auf einen echten Killcoin starrt, meint eine Stimme zu hören. Vielleicht nur Einbildung. Vielleicht ein Pattern.

Funktionsweise & Nutzung
Der Blut-Ledger (Technische Funktionsweise)
Der Killcoin ist kein einfaches Zahlungsmittel, sondern ein physischer Smart Contract auf ein Menschenleben.
Er basiert auf einer brutalen Zwei-Faktoren-Authentifizierung, die sicherstellt, dass jeder "geschürfte" Coin ein echtes Opfer gefordert hat.
1. Die Hülle (Public Key / The Shell)
Der sichtbare Teil des Killcoins (die Münze selbst).
- Funktion: Dient als "Wallet" und öffentlicher Schlüssel.
- Inhalt: Speichert einen kryptografischen Hash der DNA des Zielobjekts.
- Status: Ohne den passenden Kern ist die Hülle nur ein Terminkontrakt. Sie hat einen spekulativen Wert (Wette auf den Tod des Trägers), ist aber noch keine vollwertige Währung.
- Verfügbarkeit: Zirkuliert frei im Ödland. Wer die Hülle besitzt, besitzt das "Recht", den Kern zu holen.
2. Der Kern (Private Key / The Core)
Ein winziges, biometrisches Implantat, das den Zeros als "Private Key" dient.
- Platzierung: Wird bei der Geburt (oder Versklavung) von den Zeros implantiert. Klassische Stellen: C1-Wirbel (Atlas), hinter dem Innenohr oder direkt im Herzmuskel.
- Funktion: Enthält die rohe DNA-Sequenz des Trägers und einen verschlüsselten Chip.
- Extraktion: Der Kern kann fast nur durch den Tod des Trägers entfernt werden ("Proof-of-Death").
- Sicherheit: Der Kern zerfällt chemisch, wenn er nicht innerhalb von 4 Stunden nach Entnahme mit einer passenden Hülle verbunden wird.
3. Die Validierung
Ein Killcoin wird erst dann zur validen Währung ("Full Coin"), wenn Hülle und Kern vereint sind.
- Der Jäger tötet das Ziel und extrahiert den Kern.
- Der Kern wird physisch in die Aussparung der Hülle (Zentrumsmarke) gedrückt.
- Der Klick: Wenn die DNA-Signatur des Kerns zum Hash der Hülle passt, rastet der Mechanismus ein.
- Erst jetzt ist der Killcoin liquide und wird von den Zeros zum vollen Wert akzeptiert.
4. Die Auslesung (Zero-Ledger)
Nur die Zeros können einen Killcoin technisch einlösen. Dafür nutzen sie das Zero-Ledger – ein Gerät, das ausschließlich in ihren Enklaven steht und mit dem Stack verbunden ist.
- Einschub: Der Full Coin (Hülle + Kern) wird in eine Schlitzöffnung des Ledgers gesteckt.
- Biometrischer Scan: Das Gerät liest die DNA-Sequenz aus dem Kern aus und gleicht sie mit dem kryptografischen Hash ab, der in der Hülle gespeichert ist.
- Stack-Abfrage: Die gewonnenen Daten werden an den Stack übermittelt. Der Stack prüft die Sequenz auf Looper-Marker und speichert sie für seine Zwecke; die Zeros erhalten im Gegenzug Bestätigung und ggf. Bonuszahlungen für „wertvolle“ Treffer.
- Auszahlung: Ist der Coin gültig, wird der vereinbarte Gegenwert ausgezahlt – Waren, Zugang, oder Gutschrift im Zero-System. Ohne diesen Schritt bleibt der Killcoin für Überlebende nur ein Versprechen.
Rolle in der Welt
Das Minting (Die Geburt)
Die Zeros bieten verzweifelten Eltern im Ödland einen teuflischen Deal an:
- Der Deal: Die Zeros erhalten die DNA-Sequenz des Neugeborenen und implantieren den Kern.
- Die Gegenleistung: Die Eltern erhalten die Hülle (den Public Part) ihres eigenen Kindes.
- Die Konsequenz: Die Eltern haben sofortiges Vermögen in der Hand. Sie können die Hülle behalten (und das Kind schützen, da niemand sonst den "Auftrag" hat) oder die Hülle verkaufen, um Überleben für den Rest der Familie zu kaufen – und damit effektiv ein Kopfgeld auf ihr eigenes Kind aussetzen.
Der verborgene Zweck (Die Verbindung zum Stack)
Was niemand im Ödland weiß: Die Zeros horten die Killcoins nicht nur wegen des Wertes. Sie dienen als Tribut an den Stack.
- Datenhandel: Die Zeros liefern die extrahierten DNA-Daten und die biometrischen Aufzeichnungen der Kerne an den Stack.
- Die Motivation: Es ist eine Schutzgeldzahlung. Solange die Zeros dem Stack wertvolle biologische Rohdaten liefern, betrachtet er ihre Enklaven als "nützliche Ressourcen-Silos" und verschont sie vor direkten Eingriffen oder Säuberungsprotokollen.
- Das Ziel des Stacks: Der Stack sucht in den DNA-Daten nach genetischen Markern für potenzielle "Human in the Loop" (Looper). Da die originalen Looper altern und sterben, ist die KI verzweifelt auf der Suche nach kompatiblen Nachkommen (die berühmten 20%), um ihre hardcodierten Sperren weiterhin durch menschliche Bestätigung bedienen zu können. Jeder Killcoin ist also auch ein Lotterielos: Ist das Opfer ein unentdeckter Looper-Erbe, wird der Finder vielleicht reich, aber die Zeros – und der Stack – haben gewonnen.
Das Schuld-System (Leihgabe)
Die Zeros vergeben keine Geschenke. Wer Ressourcen, Ausrüstung oder Zugang braucht und nichts hat, kann Leihgaben aufnehmen – gegen Sicherheit.
- Pfand: Der Überlebende hinterlässt seine eigene Hülle (den Killcoin-Public-Part, den er von Geburt an besitzt oder erworben hat) bei der Zero. Im Gegenzug erhält er die gewünschte Leistung: Waffen, Medizin, Passage, Informationen.
- Der Vertrag: Solange er die Schuld durch Arbeit, Lieferungen oder andere Dienste abträgt, bleibt die Hülle bei der Zero und der Vertrag läuft. Nach Erfüllung bekommt er die Hülle zurück.
- Verzug: Zahlt oder arbeitet er nicht, oder weigert er sich, aktiviert die Zero die Hülle. Sie gibt sie in Umlauf – an Geocacher, Kopfgeldjäger, Händler. Die Hülle wird zum offenen Killauftrag.
- Folge: Wer die Hülle hat, weiß: Der Kern steckt noch im Schuldner. Wer den Schuldner findet und den Kern aus ihm holt, kann Shell und Kern vereinen, den Coin beim Zero-Ledger einlösen und kassieren. Die Geocacher übernehmen diese Jagd besonders oft – für sie ist es ein klassischer „Cache“ mit tödlichem Ende. Der säumige Schuldner wird zum Ziel, bis jemand den Coin vollständig macht.
Objekt-Bounties
Nicht jeder Killcoin zielt auf einen Menschen. Manchmal setzen die Zeros Coins auf Objekte: Loot, Tech, Relikte der alten Welt.
- Warum: Die Zeros wollen bestimmte Güter (Verseuchte Zonen, Bunker, Wracks), wollen aber nicht selbst einsteigen. Statt eigene Leute zu riskieren, markieren sie das Objekt mit einem Killcoin als Auftrag.
- Technik: Es wird eine Hülle ausgegeben, die nicht auf eine DNA-Sequenz, sondern auf eine Objektsignatur programmiert ist – z. B. RFID, Isotopen-Marker oder die Seriennummer des Ziels. Der „Kern“ ist dann das Objekt selbst oder ein daran angebrachter Marker, der beim Einlösen mit der Hülle verifiziert wird.
- Auftrag: Wer das markierte Objekt bergen und bei den Zeros abliefern kann, erfüllt den Vertrag und erhält die vereinbarte Zahlung. Für Überlebende und vor allem Geocacher ist das derselbe Anreiz wie bei Personenkills: riskantes Erkunden mit klarem Belohnungsziel. Die Zeros bekommen den Loot ohne eigenes Risiko.
Der Wert (Kaufkraft)
Der Killcoin ist eine Währung der Zeros. Nur sie haben die Ressourcen, um einen vollen Coin gegen echte Werte einzutauschen.
- Das Monopol: Niemand sonst kann einen Killcoin wirklich "einlösen". Überlebende akzeptieren ihn untereinander nur deshalb, weil jeder hofft, ihn irgendwann bei den Zeros gegen lebenswichtige High-Tech-Güter tauschen zu können. Er ist effektiv ein "Zero-Gutschein" auf das Überleben.
- Die Hülle (Shell): Ein Wettschein auf den Tod.
- Wert: Gering. Ein Kanister Wasser, eine Kiste Munition, eine warme Mahlzeit.
- Der volle Coin (Full Coin): Ein eingelöstes Leben.
- 1 Coin: Ein Jahr Söldnerschutz, eine Kiste Antibiotika, eine intakte Energiezelle der alten Welt.
- 3 Coins: Ein funktionierendes Fahrzeug mit Treibstoff.
- 10 Coins: Eine Audienz bei einer Zero (Zugang zu Macht).
Umgang & Verbergung
Offenes Tragen ist Selbstmord. Sichtbares wird geraubt, Standardisiertes wird kopiert. Daraus haben sich klare Praktiken gebildet:
- Am Körper, aber getarnt: Eingenähte Kapseln, Hohlräume in Prothesen, als Gegengewicht in Werkzeugen oder Waffen.
- Biologische Verstecke: Unter der Haut, in Zahnersatz, kurzzeitig geschluckt. Viele Narben oder falsche Zähne markieren Gefahr.
- Zerlegt statt ganz: Ring und Kern getrennt; Teile am Körper verteilt; Zahlungen oft in Teilen.
- Getarnt als Schrott: Unterlegscheiben, Schrauben, Plakettenreste. Kenner achten auf Gewicht, Klang, Kantenprofil.
- Gebunden statt getragen: Versteckt in Caches, bei Hütern, oder an Orte gebunden.
- Soziale Regeln: Niemand fragt, ob jemand einen trägt. Wer ihn zeigt, lädt zum Tod ein. Wer ihn verliert, ist erledigt.
- Ausnahme (Hardliner): Die härtesten Hardliner tragen Killcoins offen, als Drohung und Status. Ein Coin am Hals oder Gürtel sagt: Ich kann ihn halten. Und ich will, dass du es siehst.
„Wenn du weisst, wo dein Coin ist, bist du noch am Leben. Wenn andere es wissen – nicht mehr lange.“
Stimmen aus der Wasteland
„Ein Coin ist kein Geld. Es ist ein Versprechen auf einen Leichnam.“